
Was bedeutet «Ceremonial Grade» bei Matcha wirklich?
«Ceremonial Grade» ist kein offizieller Standard, sondern ein Marketingbegriff aus dem Westen: Weder Japan noch die ISO definieren Qualitätsstufen für Matcha. Ob ein Matcha hält, was das Etikett verspricht, zeigen überprüfbare Angaben zur Ernte und Herkunft sowie Farbe und Schaum.
Gibt es eine offizielle Definition für «Ceremonial Grade»?
Nein. Keine Behörde und kein Verband legt fest, wann ein Matcha «ceremonial» heissen darf. Jeder Anbieter verwendet den Begriff nach eigenem Ermessen.
Auch in Japan ist «ceremonial» keine offizielle Kategorie. Japanische Teeforscher halten fest, dass es dort keine offiziellen Kriterien gibt, um Grünteepulver nach Qualität einzustufen.
Was ist in Japan tatsächlich geregelt?
Geregelt ist, was Matcha heissen soll. Wie gut er ist, regelt niemand.
Die Kennzeichnungsrichtlinie des japanischen Teeverbands (Japan Tea Central Association) beschreibt Matcha als fein gemahlenen Tencha. Tencha: die beschatteten, gedämpften und getrockneten Teeblätter, aus denen Matcha gemahlen wird. Laut Richtlinie werden die Teefelder vor der Ernte etwa 2 bis 3 Wochen beschattet. Gemahlen wird mit einer Steinmühle oder einer Maschine, die vergleichbar arbeitet.
Seit 2020 gilt Herbst-Tencha, der ohne Beschattung gewachsen ist, nach dieser Richtlinie nicht mehr als Rohstoff für Matcha. Einfaches Teepulver heisst in Japan laut japanischen Teeforschern schlicht Grünteepulver, nicht Matcha.
International gibt es seit 2022 einen technischen Bericht der ISO (ISO/TR 21380). Er beschreibt Matcha als Tee aus beschatteten Blättern, die nach dem Dämpfen ungerollt getrocknet und danach fein gemahlen werden. Qualitätsstufen wie «ceremonial» oder «culinary» definiert auch er nicht.
Was sagt «ceremonial» dann aus?
Im besten Fall ist es eine Empfehlung: Dieser Matcha ist gut genug, um ihn pur mit Wasser zu trinken. Im schlechtesten Fall ist es ein Etikett ohne Inhalt.
In Japan beschreibt man Matcha eher danach, ob er sich für dünnen Tee (Usucha) eignet oder auch für dicken Tee (Koicha). Koicha wird mit deutlich mehr Pulver und weniger Wasser zubereitet, dafür verwendet man den hochwertigsten Matcha.
Wie gross die Unterschiede hinter demselben Etikett sein können, zeigt eine Laboranalyse japanischer Forscher. Sie untersuchten 25 Matcha-Produkte, die 2014 in den USA gekauft wurden. Die teuersten Proben enthielten mehr Chlorophyll und mehr als doppelt so viel Theanin wie die günstigsten. Theanin ist eine Aminosäure, die den Umami-Geschmack prägt. Ein teures Produkt mit der Bezeichnung «ceremonial» lag bei diesen Werten aber unter vergleichbar teuren Matcha.
Was sollte «ceremonial» mindestens bedeuten?
Wenn ein Anbieter den Begriff verwendet, sollten diese Punkte erfüllt und offengelegt sein:
- Erste Frühlingsernte (Ichibancha): In Uji wird sie von Ende April bis Ende Mai gepflückt. Junge Blätter enthalten mehr Aminosäuren und weniger Catechine, die bitter und herb schmecken.
- Beschattung: Mehrere Wochen vor der Ernte. Weniger Licht erhöht den Gehalt an Chlorophyll und Theanin und senkt den Gehalt an Catechinen.
- Steinmühle: Langsames Mahlen macht das Pulver sehr fein und verhindert, dass es sich erwärmt.
- Farbe: Ein kräftiges, leuchtendes Grün. Olivgrün oder gelblich deutet auf spätere Ernten oder alten Matcha hin.
- Herkunft: Eine Region und ein Produzent, nicht nur «Japan».
| Angabe | Geregelt? | Was sie dir sagt |
|---|---|---|
| Ceremonial Grade | Nein | Nur so viel, wie der Anbieter offenlegt |
| Culinary Grade | Nein | Meist spätere Ernten, gedacht zum Backen und Mischen |
| Matcha (Japan) | Branchenrichtlinie | Beschatteter Tencha, fein gemahlen |
| Erste Frühlingsernte | Angabe des Anbieters | Junge Blätter mit mehr Aminosäuren, weniger herb |
| Herkunft (z. B. Uji) | Angabe des Anbieters | Eine Region, nicht automatisch Qualität |
| Bio-zertifiziert | Ja, gesetzlich | Kontrollierter Bio-Anbau, Code der Zertifizierungsstelle auf der Packung (z. B. CH-BIO-006); sagt nichts über Ernte oder Geschmack |
Wie prüfst du einen Matcha selbst?
Du brauchst kein Labor. Die wichtigsten Hinweise findest du auf der Packung und in der Matcha-Schale (Chawan).
- Packung lesen: Stehen dort die Ernte und die Region? Gibt es ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Fehlt das, bleibt «ceremonial» ein Wort.
- Farbe ansehen: Streiche etwas Pulver auf weisses Papier und schau es bei Tageslicht an.
- Aufschlagen: Gib 2g Matcha und 40ml Wasser mit höchstens 80°C in die Schale. Schlage 10 bis 15 Sekunden im Zickzack mit dem Bambusbesen (auf Japanisch Chasen). Guter Matcha bildet einen feinen, dichten Schaum, schwacher Matcha schäumt kaum.
- Pur probieren: Vor der Milch. Guter Matcha schmeckt weich und leicht süsslich, die Bitterkeit bleibt im Hintergrund.
Wie du die einzelnen Merkmale genauer liest, erklären wir in Woran erkennst du guten Matcha?
Ist «Culinary Grade» schlechter Matcha?
Nicht unbedingt. Auch «culinary» ist nicht definiert. Meist steht es für Matcha aus späteren Ernten, der herber schmeckt und weniger grün ist. Zum Backen und für Desserts ist das oft eine gute Wahl, und er ist deutlich günstiger.
Für Matcha pur oder als Latte lohnt sich ein Matcha, der auch ohne Milch schmeckt. Warum, steht in Ceremonial oder Culinary für Lattes? Was sich zwischen den Ernten ändert, erklären wir in Erste Frühlingsernte vs. spätere Ernten.
Wie halten wir es bei matcha⁷?
Auch unser Matcha trägt die Bezeichnung «ceremonial». Damit sie etwas aussagt, nennen wir die Fakten dahinter: Er ist Bio-zertifiziert und stammt aus der ersten Frühlingsernte. Die Felder werden rund 4 Wochen beschattet, gemahlen wird auf Granit-Steinmühlen. Wir beziehen ihn direkt von einer Produzentenfamilie in Uji.
Mehr zu Ernte und Herkunft findest du auf unserer Seite Matcha-Qualität. Den Matcha selbst gibt es als Bio-Matcha 60g.
FAQ
Ist Ceremonial Grade ein offizielles Gütesiegel?
Nein. Weder Japan noch die ISO definieren Qualitätsstufen für Matcha. Jeder Anbieter verwendet den Begriff nach eigenem Ermessen.
Woran erkenne ich, ob ein Ceremonial-Matcha gut ist?
Zuerst an überprüfbaren Angaben wie Ernte und Region auf der Packung. Danach an Farbe und Schaum: Ein leuchtendes Grün und ein feiner, dichter Schaum sind gute Zeichen.
Stammt Ceremonial Grade immer aus der ersten Ernte?
Nicht zwingend, weil der Begriff nicht geregelt ist. Seriöse Anbieter nennen die Ernte auf der Packung oder auf ihrer Website.
Ist teurer Matcha automatisch Ceremonial-Qualität?
Nein. In einer japanischen Laboranalyse lag ein teurer Matcha mit der Bezeichnung «ceremonial» unter vergleichbar teuren Produkten. Der Preis ist ein Hinweis, aber kein Beweis.
Kann ich Culinary-Matcha zum Backen verwenden?
Ja. Für Gebäck und Desserts ist Matcha aus späteren Ernten meist gut geeignet und günstiger.
- ISO/TR 21380:2022 Matcha tea: Definition and characteristics
- Kodama, T.: 抹茶に関する地域ブランドの情報デザイン (Ryutsu Keizai University), cites the Japan Tea Central Association green tea labelling standard (2019 edition)
- Kyoto Prefectural Agriculture, Forestry and Fisheries Technology Center: Autumn tencha and the revised green tea labelling standard (in force since 1 April 2020)
- Horie, H. et al. (2018): Comparison of the Chemical Components of Powdered Green Tea Sold in the US. JARQ 52(2), 143 to 147
- MAFF (Japanese Ministry of Agriculture): Uji tea, history and harvest seasons
- Chen, X. et al. (2022): Effect of Shading on the Morphological, Physiological, and Biochemical Characteristics as Well as the Transcriptome of Matcha Green Tea. Int. J. Mol. Sci. 23(22), 14169
- Gong, A.-D. et al. (2020), BMC Plant Biology 20, 294: catechins, caffeine and theanine in tea leaves across the seasons
- Zhang, L. et al. (2020): Association between chemistry and taste of tea: A review. Trends in Food Science and Technology 101, 139 to 149
- Wikipedia: Matcha (usucha and koicha, stone milling)
- Bioaktuell / FiBL: Kennzeichnung nach Bio-Verordnung (Code der Zertifizierungsstelle, z. B. CH-BIO-006)