Qualität, Ernte, Zubereitung, Vergleiche und Matcha in der Schweiz. Mit Quellen zu jeder Zahl.
Wissen
«Ceremonial Grade» ist kein offizieller Standard, sondern ein Marketingbegriff aus dem Westen: Weder Japan noch die ISO definieren Qualitätsstufen für Matcha. Ob ein Matcha hält, was das Etikett verspricht, zeigen überprüfbare Angaben zur Ernte und Herkunft sowie Farbe und Schaum.
Guter Matcha ist kräftig leuchtend grün und schlägt sich zu einem feinen, dichten Schaum auf. Pur schmeckt er weich und leicht süsslich mit wenig Bitterkeit, und die Packung nennt Ernte und Herkunft sowie ein Mindesthaltbarkeitsdatum.
Matcha aus der ersten Frühlingsernte (Ichibancha) stammt von jungen, beschatteten Trieben mit mehr Theanin und weniger Catechinen: Er ist leuchtender grün und schmeckt weicher. Spätere Ernten im Sommer und Herbst liefern ältere Blätter mit mehr Sonne, die herber schmecken und deutlich günstiger sind.
Meist liegt es an der Zubereitung: Wasser über 80°C oder zu viel Pulver auf zu wenig Wasser betonen die bitteren Catechine. Schmeckt Matcha auch mit 2g auf 40ml bei 80°C noch bitter, ist er alt oder stammt aus einer späteren Ernte.
Matcha entsteht aus Teeblättern, die vor der Ernte rund drei bis vier Wochen beschattet, nach dem Pflücken gedämpft, ungerollt getrocknet und von Stielen und Blattadern befreit werden. Diese Blätter heissen Tencha, und eine Granitmühle mahlt daraus nur etwa 40g Matcha pro Stunde.
Geöffneter Matcha gehört luftdicht verschlossen an einen kühlen, dunklen Ort ohne starke Gerüche und schmeckt innert etwa 3 Monaten am besten. Brauchst Du länger, lagere ihn gut verschlossen im Kühlschrank statt im Tiefkühler und lass die Packung vor dem Öffnen auf Zimmertemperatur kommen.
Vergleich
Hochwertiger Matcha ist im Latte nicht verschwendet: Milch macht ihn milder, doch Farbe und Geschmack des Pulvers bleiben im Glas erkennbar. Günstiger Culinary Matcha ist sinnvoll, wo Hitze oder starke Zutaten den Geschmack ohnehin überdecken, etwa beim Backen.
Matcha und Hojicha stammen von derselben Teepflanze: Matcha wird aus beschatteten, gedämpften Blättern gemahlen und bleibt grün, Hojicha wird geröstet und wird braun. Matcha schmeckt nach Umami, Hojicha geröstet und nussig und enthält meist etwas weniger Koffein.
Eine Portion Matcha mit 2g Pulver enthält rund 40 bis 90mg Koffein, denn publizierte Analysen messen 19 bis 44mg pro Gramm. Ein Espresso (60ml) liegt laut EFSA bei etwa 80mg, eine Tasse Filterkaffee (200ml) bei etwa 90mg.
Matcha und Sencha stammen von derselben Teepflanze, werden aber anders angebaut und verarbeitet. Matcha wird vor der Ernte beschattet und zu Pulver gemahlen, du trinkst also das ganze Blatt, während Sencha in der Sonne wächst und als Aufguss getrunken wird.
Der grösste Teil des japanischen Tencha, des Rohstoffs für Matcha, kommt aus Kagoshima (38 Prozent, 2023), vor Kyoto mit Uji (23 Prozent), Shizuoka und Aichi mit Nishio. Die Herkunft verrät Klima und Tradition, aber nicht, aus welcher Ernte ein Matcha stammt.
Ein Bambusbesen (auf Japanisch Chasen) schlägt Matcha zum feinsten und stabilsten Schaum auf und ist die beste Wahl für puren Matcha. Ein elektrischer Milchaufschäumer braucht keine Übung und reicht für Lattes meist aus, ein Shaker eignet sich vor allem für Eis-Matcha unterwegs.
Schweiz
In 16 Schweizer Onlineshops kostete Matcha im Oktober 2026 pro 10g rund CHF 3 bis 6.50, wenn er fürs Backen verkauft wird, CHF 4 bis 8.50 als Latte-Matcha und CHF 6.50 bis 13 als «Ceremonial» oder erste Ernte. Eine Portion mit 2g kostet damit etwa CHF 0.60 bis 2.60.
Guten Matcha gibt es in der Schweiz in Cafés, die ihn für jedes Getränk frisch aufschlagen, statt ihn vorzubereiten. Ein guter Matcha Latte ist leuchtend grün und hat einen feinen, stabilen Schaum; im Geschmack ist er mild mit wenig Bitterkeit.
Matcha ist teurer geworden, weil sein Rohstoff Tencha in Japan 2025 im Schnitt 8'562 Yen pro Kilo kostete, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr und der fünfte Anstieg in Folge. Die Nachfrage ist weltweit stark gestiegen, das Angebot hält wegen Hitze und fehlender Arbeitskräfte nicht Schritt.
Für Cafés
Bei 2g pro Getränk zahlen Cafés für unseren Bio-Matcha aus Uji ab CHF 0.67 (netto), für günstigen Matcha rund CHF 0.45, bei einem Latte-Preis von rund CHF 7.50. Als Equipment reichen Schale und Bambusbesen mit einem Präzisionslöffel; für die Milch genügt die Dampflanze der Kaffeemaschine.